HUMOR – eine analoge Kompetenz in Zeiten der Digitalisierung Teil1: Angstbremse und Selbstmotivator

Die Kunst des Lebens besteht darin, die Veränderung zu akzeptieren und sie als Herausforderung zu begreifen. Humor ist dabei die geeignete Methode, diese Kunst zu erlernen.

Wir erinnern uns noch an Zeiten, als in den 80iger bzw. 90iger Jahren der Computer eine Riesenkiste war. Er war groß, schwer, behäbig und langsam und passte kaum ins Schlafzimmer – übrigens der einzige Platz, wo wir einen Tisch unterbringen konnten, auf dem dieser Koloss thronte.

Andererseits war er unser Werkzeug. Wir konnten ihn nutzen, wann immer wir wollten, schrieben damit unsere Diplomarbeit und tatsächlich erleichterte er uns die Korrekturen, die sich am Ende unserer Schulzeit und zu Beginn unserer Studienzeit auf der guten alten Schreibmaschine im mühsam hineingehämmerten Text auf Seite 24 von 30 noch unendlich schwieriger gestalteten.

Irgendwie hatten wir auch das Gefühl, dass der Computer in den 90iger Jahren unserer Emanzipation Vorschub leistete. Wir hielten sozusagen Gleichschritt mit der Männerwelt. Allerdings erkannten wir das erst viele Jahre später. Zur damaligen Zeit empfanden wir den Blechtrottel nicht als Geschenk, sondern vielmehr als notwendiges Übel. In den darauffolgenden Jahren hat sich vieles verändert, die Computer wurden schneller, immer schlanker und vor allem einfacher in der Handhabung. Sie vertrieben die Standgeräte aus dem Büroalltag, wurden ein Teil von uns und veränderten Schritt für Schritt die Kommunikation bis zum heutigen Status Quo.

Heute gibt es kaum ein Unternehmen in Europa, das noch mit Standgeräten arbeitet. Alle arbeiten mit Notebooks, Smartphones und Power Macs, was die Kommunikationsgeschwindigkeit
drastisch erhöhte, die Informationsflut ins Unendliche steigerte und Veränderungen wie Tsunamis operieren ließ. Aussagen, wie „die Digitalisierung ist unserem ureigenen Vergessen geschuldet – schlag nach bei Dr. Google“, regen zum NACHdenken an.

Aber statt eine menschengerechte, individuelle und den Fähigkeiten der Einzelnen angemessene Arbeitswelt geschaffen zu haben, sprechen wir bereits vom nächsten Wandel,
von KI (Künstliche Intelligenz) und davon, dass Maschinen uns bald ersetzen werden. Ja, dann brauchen wir uns um Tsunami Opfer nicht mehr zu kümmern und das Thema
„Vergesslichkeit“ regt nicht mehr zum Denken an.

Microsoft startete bereits 2016 ein KI-Projekt in den sozialen Netzwerken, den Chat-Bot Tay, eine sogenannte „lernfähige Intelligenz“-Software. Je mehr man sich mit diesen Systemen
unterhält, desto mehr lernen sie. Die Frage war nur: was? Bereits Stunden nach dem Start twitterte Tay: „I just hate everybody“. Nachdem Tay auch noch Bilder vom Nazidiktator postete, schrillten bei Microsoft die Alarmglocken und sie nahmen Tay vom Netz. Damit scheiterte einer der ersten Versuche den hohen Stand der KI zu beweisen: Es gibt sie nicht, die denkenden Maschinen.

Und wenn Sie unsere persönliche Meinung dazu hören wollen: hoffentlich niemals unreflektiert und nicht zu Ende gedacht!

Zurück zur Arbeitswelt und der nächsten Welle an digitaler Veränderung, die auf uns zurollt. Werden Bots oder Roboter als Kollegen mit uns im Großraumbüro sitzen, wer weiß es schon.
Nur so viel ist sicher, Menschen werden wieder Ängste haben: „Werde ich dann noch gebraucht?“, „Werde ich den Erwartungen des Chefs, Geschäftsführer Müller, Bot Hillary oder Roboter Donald, entsprechen?“

Unser Ziel ist es, diesen Ängsten zu begegnen: mit Humor. Sie werden sich jetzt vielleicht fragen, wie soll das gehen, sollen wir uns unsere Ängste weglachen? Nein, natürlich nicht. In Unternehmen existiert ja oftmals eine prophylaktische Angst vor Veränderung. Menschen wissen nicht was kommt, vermuten aber, dass es negativ sein wird. Wichtig dabei ist, die Angst nicht zu unterdrücken, sondern als Motivationsfaktor für Erfolg zu nutzen, als Antriebsfeder zu sehen und daraus resultierende kleine Erfolge zu kommunizieren.

Leider gibt es noch immer Unternehmen, die keinen Zusammenhang zwischen wertschätzendem Umgang und Produktivität herstellen können. Schaffen Unternehmen jedoch eine nachhaltige Unternehmenskultur über das Thema Humor, so können sie jeden Veränderungsprozess ohne Panik managen. Humor bedeutet nämlich, den Unzulänglichkeiten dieser Welt (u.a. am Markt, beim Kunden, im Projekt-Team oder in der Chef-Etage) mit heiterer Gelassenheit zu begegnen und eine Haltung von Wertschätzung und Empathie zu entwickeln.

Wertschätzung gilt dabei als wesentlicher Motivationsfaktor. Vieles was uns heute bei Projekten, Prozessen auf die Nerven geht, liefert oftmals Stoff für lustige Erzählungen und hat dadurch  einen nachhaltigen Lerneffekt. Anders ausgedrückt:

„Humor is tragedy plus time“ – Was geht Ihnen dabei spontan durch den Kopf?

Uns persönlich fällt dazu spontan folgender Wert ein „hier darf gelacht werden“ und „lustvoll scheitern“ ist kein Fremdwort in unserem Unternehmen. Einer der wichtigsten Punkte einer „ernsthaften“ Humor-Strategie: sich selbst nicht so wichtig zu nehmen. Immer nur um sich selbst zu kreisen verstärkt nämlich die Angst ums eigene Ich. Stattdessen ist zielführend zu fragen: Was hilft anderen? Was hilft meinem Kollegen? Was hilft meinem Team? Humor eine Brücke der Kommunikation in der Beantwortung all dieser Fragen. Schon einmal darüber nachgedacht? Integrieren Sie Humor in alle Bereiche ihres Unternehmens. „Top down“ und „Bottom up“. Von links nach rechts. Von schräg nach quer. Implementieren Sie Humor als Motivationsstrategie, rollen Sie Trainings zum Thema „Motivation und Selbstmotivation mit Humor“ aus und zwar hierarchieübergreifend. Denn auch die nächste Tsunami Welle braucht Menschen, die der Angst mit Freude und Spaß kontern.