Außenministerium – Tag 51 der Corona Krise

Am 5.5.2020 um 8 Uhr 46 wähle ich die Nummer des Außenministeriums. Das Telefonat dauert 5 Minuten und 7 Sekunden.

Außenministerium: „Vermittlung, Grüß Gott …“

Ich: „Grüß Gott, hier spricht Dr. Ilse Straka. Folgendes, ich hätte gerne einen kompetenten Ansprechpartner bezüglich der Möglichkeit einer 24 h Aus- und Einreise an der tschechisch-österreichischen Grenze für meinen Lebenspartner … Er sitzt seit fast 2 Monaten in der Tschechei fest …“

Außenministerium im nasalen Schönbrunner-Deutsch: „Da muss ich Sie in die Konsular-Abteilung verbinden, einen Moment bitte ….“

Konsular-Abteilung in gekonnter Umgangssprache: „Jo, bitte …“

Ich: „Dr. Ilse Straka am Apparat. Ich habe auf Ihrer Home-Page die Information gelesen, dass in  Ausnahmefällen, und wenn der geplante Grenzübertritt aus Tschechien nach Österreich nicht länger als 24 Stunden dauert, die Vorlage eines PCR-Tests oder eine 14-tägige Quarantäne wegfallen. Ich möchte nun von Ihnen wissen, ob in diesem Fall mein tschechischer Lebenspartner von österreichischer Seite her sonst irgendetwas vorweisen muss. Wissen Sie, er möchte seine Tochter und mich nach Wochen der Trennung für ein paar Stunden einfach im grenznahen Poysdorf treffen. Also was wird konkret an der Grenze von den Österreichern verlangt? Weil, sorry, aus dem Juristendeutsch Ihrer Information geht das nicht wirklich klar hervor und ist auch die Kompatibilität mit den tschechischen Vorgaben nicht durchschaubar ….

Konsular-Abteilung: „Normalerweise ein PCR-Test, net älter als 4 Tag‘ …“

Ich: Ja, aber auf Ihrer Homepage ist eine 24 h-Ausnahmeregelung veröffentlicht, mit der diese Bedingungen doch wegfallen?“

Konsular-Abteilung: „Da kann nur des Innenministerium rechtsgültige Aussagen treffen …“

Ich: „Aha, ist das Außenministerium nur mehr der verlängerte Arm des Innenministeriums?“

Schweigen …

Ich: „OK, drehen wir den Spieß um. ICH möchte innerhalb von 24 Stunden in die Tschechei ein- und wieder ausreisen, was braucht’s von österreichischer Seite konkret dafür?“

Konsular-Abteilung: „Die Ausreise is ka Problem …“

Ich: „Und meine Wieder-Einreise nach Österreich?

Konsular-Abteilung: „Da gibt’s seit 1.5. a neiche Regelung. Da brauchen’S … glaub‘  i … an Test erst innerhalb von 72 Stunden vorlegen … aber des waß des Innenministerium ….“

Ich: „Toller, neuer Geschäftszweig, das Business mit den Tests, während andere ums wirtschaftliche Überleben kämpfen … Gut, dafür können Sie nichts. PAUSE Na, wunderbar, kenn‘ mich aus. Sie sind der Herr …?“

Konsular-Abteilung: „I bin a Mitarbeiter von der Hotline …“

Ich: „Naja, Sie werden ja einen Namen haben …“

Konsular-Abteilung: „I brauch Ihnen mein Namen net geb‘n …“

Ich: „Super, social distancing funktioniert schon mal einwandfrei. Na Hauptsache, ich habe mich mit Namen vorgestellt. PAUSE Wiederhören Herr Mitarbeiter!“ AUFGELEGT.

Eine Stunde später rufe ich das Innenministerium an. Nach Warteschleife werde ich zum „Grenzübertritt“ weiterverbunden. Da meldet sich ein Mitarbeiter zu meinem Erstaunen mit seinem Nachnamen. Wieso bin ich darüber erstaunt? Hat das bis VOR-Corona nicht zum guten Ton zwischenmenschlicher Kommunikation gehört? Er weist zu meinen Fragen in diesem Grenzübertritts-Verordnungsdschungel ausdrücklich darauf hin, dass ALLE Verordnungen ausschließlich vom Gesundheitsministerium erlassen werden: „Das können Sie nachlesen, keine einzige Verordnung kommt aus dem Innenministerium.“  Dennoch verrät mir dieser freundliche Mensch überraschenderweise seine Auslegung der aktuellen österreichischen Grenzübertritts-Verordnung zwischen Österreich und Tschechien: „Gut, diese Verordnung gilt eigentlich nur für Ehegatten und eingetragene Partner. Für Ihre Art Lebensgemeinschaft ist da eigentlich nichts vorgesehen. Aber wenn Ihr Lebensgefährte seinen und Ihren gemeinsamen österreichischen Wohnsitz mit den Meldezetteln und Ihrer Reisepasskopie direkt an der Grenze glaubhaft machen kann, dann spricht eigentlich nichts dagegen. So würde ich die Verordnung interpretieren. Garantie für einen Grenzübertritt gibt es aber keine. Tut mir leid.“

So wird eine simple Sachfrage zum Grenzübertritt zu einem grenzüberschreitenden Erlebnis von einem Ministerium ins andere!