Sars COV der Zweite – Tag 34 der Corona Krise

Ich sag’s ja schon die ganze Zeit: „Ich schau auf MICH, du schaust auf MICH!“ Wenn du mich noch immer nicht kennst, bitte, ich heiße Sars – nicht Lars – mit Nachnamen COV und bin in China in der Stadt Wuhan geboren. Angeblich auf einem Wildtiermarkt. Pfui, igitt, igitt! Mich schüttelt es jetzt noch, wenn ich daran denke. Naja, wir können uns leider nicht aussuchen, noch nicht, wo wir zur Welt kommen. Aber sobald wir süßen Kleinen gehen können, können wir tun und lassen was wir wollen. Ja, ab diesem Zeitpunkt beginnt die Welt der Großen uns zu gehören. Einfach herrlich, diese Freiheit! Ist das bei dir anders? Also ich war nach der Geburt relativ rasch auf eigenen Beinen, sozusagen raus aus der Kinderkacke.

Die Provinz Hubei war mir ehrlich gesagt für meinen Start in ein aufregendes Instagram-Leben ziemlich rasch zu langweilig und eintönig. Die Menschen schauen alle gleich aus, gehen im Gleichschritt und tragen Masken. Für mich, einen überraschend rasant wachsenden Virus-Teenie nichts auf Dauer.

Da hab‘ ich mir – überraschend problemlos – in meinem kommunistischen „Willkür-Land“ ein Flugticket besorgt. Ich habe beschlossen, auf Weltreise zu gehen. Auf Reise in ferne, fremde Wohlfahrts-Staaten. Und weißt du was? Ich hab‘ nicht einmal ein Visum gebraucht. Begonnen habe ich meinen Trip in Italien, im Norden. Eine wunderschöne Gegend. Und die „Cucina italiana“! Göttlich, ich wollte gar nicht mehr weg. In der Lombardei waren die Italiener so unglaublich gastfreundlich zu mir, dass mich der Süden des Landes überhaupt nicht mehr interessiert hat. Wenn ich groß bin, möchte ich hier arbeiten. In einer der Textilfabriken, um luxuriöse „Alta Moda“ zu produzieren. Wie geil wird das werden!

Übrigens, von Norditalien war’s ein Katzensprung nach Ischgl. Du, dort habe ich die Sau raus gelassen, Party, Party, Party … ich bin nicht einmal zum Skifahren gekommen. Das war’s dann auch schon mit Österreich. Ob ich mir noch den größten Steppensee Europa’s geben werde, keine Ahnung. Zurzeit dürfen ja nur mehr Burgenländer an den Neusiedler See, die im Umkreis von 15 km wohnen.

Der Rest von Europa war und ist nicht besonders aufregend. Mittlerweile zipfen mich die stundenlangen Grenzkontrollen und der aufwendige Papierkram an, obwohl meine chinesische Reise-App anzeigt: „Schengen-Laum, Schengen-Laum ….“

Madrid war super. Eine traumhafte Stadt – so viel Leben, so viele freundliche Menschen. Ich spürte förmlich den Atem der Madrileňos. Deutschland war ganz anders. Die Merkel hat mich ignoriert. Kein Wunder, sind alle etwas unterkühlt, diese Deutschen. Von England habe ich nicht viel gesehen, außer London. Stell dir vor, Boris Johnson hat es arrangiert und mich ins altehrwürdige St. Thomas‘ Hospital mitgenommen. Verkauft sich als coolen Typen, der Premier, bis vor den Spitalseingang …

Und dann habe ich ihn gewagt. Keinen Sprung, sondern einen Flug über den großen Teich. Du kannst dir den Empfang in den USA direkt in New York nicht vorstellen. Überall Zelte! Sicherlich für die „after show parties“. Alles wirklich nur wegen mir? Wow, der Big Apple liegt mir zu Füßen. Glaub‘ mir, es ist wirklich so. Donald spricht täglich von mir. Ruft eine Pressekonferenz nach der anderen ein, ja, es geht nur um mich. Seit Wochen halte ich den alten Schlawiner in Atem. Hoffentlich lädt er mich bald ins Oval Office ein. Mein Teenie-Traum, ein persönliches Date mit dem mächtigsten Mann der Welt, könnte bald wahr werden … Ich bekomme Gänsehaut. Du nicht auch?

Und von gestern auf heute wird mir über Nacht klar, du schaust gar nicht auf mich. Ihr alle miteinander seid ein Haufen Egoisten, so ziemlich rund um den Globus zu finden. Ihr beginnt Waffen auf mich zu richten, Medikamente und Impfstoffe, eure vollen Arsenale! Geht’s noch? Wollt ihr mich vernichten? Um jeden Preis? Da gehe ich lieber wieder zurück zu den Fledermäusen und Gürteltieren. Die schauen wenigstens auf mich.

Aber Scheiße. Meine chinesische App schreibt gerade: „Wildtielmalkt ab sofolt geschlossen!“