Ungewissheit – Tag 15 der Corona Krise

Ungewissheit kann gar nicht schön sein. Diese und ähnliche Sätze fallen mir spontan ein, als ich mein Mobiltelefon, nach einem 1-stündigen Telefonat mit dem Personalchef eines Bauunternehmens, auf den Tisch zurücklege. Zum ersten Mal in meinem Leben wurde mir bewusst, dass ich keine klare Prognose formulieren kann, keine Hoffnung stiften kann. Dass ich einfach nicht weiß, wie es werden wird.

Sollte ich dem Personalchef sagen: „Sie werden es schaffen. Ihr Bauunternehmen wird weiterarbeiten können, Sie werden den Liquiditätsengpass überbrücken, neue Lieferanten finden und Ihren 200 Mitarbeitern einen sicheren Arbeitsplatz bieten?“

Nein, das konnte ich nicht. Stattdessen hörte ich mich sagen: „Keiner weiß zur Zeit, wie es werden wird, orientieren Sie sich von Tag zu Tag, verschaffen Sie sich einen Überblick, die fiskalischen Rettungspakete verändern sich fast täglich. Die Regierung will verhindern, dass Arbeitsplätze verloren gehen, das gilt auch für Ihre Branche.“

Trotzdem frage ich mich, ob die Maßnahmen nicht überzogen sind und manchen Firmen eine Überschuldung droht, weshalb sie wohl lieber auf Staatskredite verzichten? Ungewissheit nagt. Die Ungewissheit, dass vielleicht Insolvenzregeln erst nach einiger Zeit schlagend werden und ein eigentlich gesundes Unternehmen in die Pleite getrieben wird. Ungewissheit ist schmerzhaft und macht unsicher, ja sogar unrund.

Doch welche Antworten hätte ich ihm geben können? Hätten ihm Antworten wie: „Die Simulationsrechnungen zeigen, dass ab einem gewissen Zeitpunkt weitere Verschärfungen keinen Sinn mehr ergeben, aber ab wann wir die Maßnahmen lockern können und zu welchem Ausmaß, können uns die Mathematiker zum jetzigen Zeitpunkt nicht sagen“ oder „Das Virus wird enorme Auswirkungen auf die gesamte Wirtschaft haben, aber welche, können uns die Ökonomen zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sagen“ oder „Unser Leben wird nicht mehr das gleiche sein wie vor Covid-19. Wie es sich gestalten wird, kann Ihnen unsere Regierung zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sagen“ genützt? Wohl eher nicht.

Also habe ich mich gefragt, welche Antworten hätte ich mir gewünscht? Ich hätte mir als Bauunternehmer mit Sicherheit eine rasche Antwort, eine sozialpartnerschaftliche Antwort, die Fakten schafft und unbürokratische Hilfe leistet, gewünscht. Ich hätte wissen wollen, ob es einen Förderkredit für mich gibt, den ich erst zurückzahlen muss, wenn es die Geschäftssituation erlaubt. Schließlich will ich nicht zu jenen Unternehmen gehören, die einen leisen Tod sterben, unverschuldet und unsichtbar bis zum Zeitpunkt des Eintritts. Einen Tod, verursacht durch Covid-19, welcher die Wirtschaft für Wochen lahmlegte und die Ökonomie mit Werksschließungen und Ausgangssperren unter Quarantäne setzte.

Ich persönlich möchte meinen Namen auch nicht irgendwann auf einer Short-Liste „too small to protect“ finden, nicht wegen bürokratischer Hürden, der Gier Einzelner und den Ausflüchten Vieler an den Rand meiner Existenz getrieben werden.

Vielleicht würde ich persönlich die Corona-Krise auch als Chance für Veränderung begreifen und endlich versuchen, überbordende Bürokratie am Bau gemeinsam mit Partnern und Gleichgesinnten zu verändern. Ein Anfang wären Liquiditätszusagen ohne überbordende Bürokratie und ohne Auflagen, um Unternehmen eine Zukunft nach Covid-19 zu geben.